Das Sammelgebiet “Bautenserie 1948”


Einführung in das Gebiet der Merkmale und des Plattierens

Wenn man zwei Bautenmarken von gleicher Wertstufe und mit identischem Wasserzeichen, gleicher Farbe und Zähnung nebeneinander legt und sie mit Hilfe einer Lupe vergleicht, wird man rasch feststellen, dass sie im Bild voneinander abweichen. Jedes einzelne Exemplar zeigt individuelle Merkmale wie Weiß- oder Farbflecke, Linienverquetschungen, zugeschlagene (d.h. mit Farbe überdeckte) Bildteile, Retuschen und bei von Bagel gedruckten Werten unterschiedlich positionierte Wertzahlen. Diese Unregelmäßigkeiten lassen sich mit Ausnahme von Zufälligkeiten, die wirklich nur auf einer oder wenigen Marken erscheinen, in ein System bringen, denn sie treten als echte Bogenfeldmerkmale immer wieder auf den gleichen Feldern und Stellen auf. Beim Auswerten einer großen Menge von Marken wird man feststellen, dass manche Merkmale recht häufig, andere hingegen nur selten auftreten. Um zu wissen, wie diese Abweichungen von dem merkmalfreien Idealbild entstanden sind und was sie über den Herstellungsgang der Marken aussagen, benötigt man eingehende Kenntnisse über die Druckvorbereitung und den Druck.

a) Druckbogen und Schalterbogen

Pfennigwerte erschienen in Bogen zu 100, Markwerte in Bogen zu 50 Marken am Postschalter. Gedruckt wurden aber in einem Arbeitsgang jeweils vier Schalterbogen gemeinsam, und dieser Druckbogen wurde erst nach der Zähnung in die vier Schalterbogen zerteilt. Diese Tatsache lässt sich leicht durch die auch bei anderen Markenausgaben existierenden Zwischenstegpaare und Herzstücke nachweisen.

Die vier Schalterbogen bezeichnet man ihrer Lage entsprechend nach den Himmelsrichtungen. So ist der links oben liegende Bogen der Nordwest- und der rechts unten liegende der Südostbogen.

 

b) Herstellung der Druckplatten

Von einem einzelnen Markenbild wurde auf photographischem Wege eine größere Zahl von Negativfilmen ähnlich einem Diapositiv gefertigt. Diese Filme wurden bei den beiden Druckereien auf verschiedene Weise zusammengestellt:

    • Westermann fügte 10 Negative (bei den Markwerten 2 x 5) zu einem waagerechten Streifen zusammen.
    • Bagel montierte bei den Werten der Dom-Type I verschieden große Blöcke zu 9, 12 und 16 Bildern und ab der Type II zu einem Block  von 25 Markenbildern.

Urblock 60 Pfg. Type III gestempelt Wasserzeichen W (stehende Buchstaben und fallende Striche) mit der Versuchs Kammzähnung K 14:14¼

Feld 1

Feld 11

Feld 21

Feld 31

Feld 41

Feld 2

Feld 12

Feld 22

Feld 32

Feld 42

 

Feld 3

Feld 13

Feld 23

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Feld 43 “ohne PM”

Feld 4

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Feld 34

Feld 44

Feld 5

Feld 15

Feld 25

Feld 35

Feld 45

  • Für die Markwerte der Type I ordnete Bagel sofort 50 Einzelbilder zu einem Schalterbogen an.
  • Diese Blöcke wurden auf unterschiedliche Weise durch mehrfaches Kopieren zu einer Druckbogenfolie zusammengesetzt.
  • Westermann kopierte den Zehnerstreifen zehn (bei den Markwerten fünf) mal, ordnete diese Streifen untereinander zur Schalterbogenfolie,  fügte die Reihenwertzahlen an und vervielfältigte diese dann mindestens vier Mal (meist wurden für den öfters vorgenommenen Feldaustausch Reservefolien geschaffen) und baute daraus die Druckbogenfolie zusammen.
  • Bagel fügte bei der Dom-Type I die Blöcke teilweise nach Zerschneiden zur Schalterbogenfolie zusammen, ergänzte diese dann durch die Reihenwertzahlen und kopierte sie dann ebenfalls zur Druckbogenfolie.
    Bei den Typen II, III und IV wurde der 25er-Block, der noch keine Wertzahlen hatte, durch 16 maliges Kopieren sofort zur Druckbogenfolie montiert. Die weitere Bearbeitung wird später erläutert.
  • Bei den Markwerten der Type I musste die Schalterbogenfolie lediglich viermal kopiert werden, um den Druckbogen zu erhalten.

Alle diese Montagen wurden auf Astralonfolien vorgenommen, die ähnliche Ver- und Bearbeitungsmöglichkeiten zulassen wie Diapositive.

Um die eigentliche Druckplatte zu erzeugen, presste man die Folie innig auf eine mit einer photochemischen Schicht sensibilisierte Zinkplatte und belichtete diese. Danach wurde die Platte entwickelt und gehärtet. Das hatte zur Folge, dass auf den auf dem späteren Markenbild weiß bleibenden Teilen im Markenbild bei dem danach folgenden Abwaschen die Photoschicht wieder abgestoßen wurde, weil hier keine Belichtung erfolgt war.

Damit war die Offsetdruckplatte fertig.

Da jede Offsetdruckplatte nur eine bestimmte Zahl von Druckvorgängen zulässt (zu Zeiten der Bautenserie durchschnittlich    20 000), musste man für Werte mit höheren Auflagen mehrere Druckplatten herstellen.

c) Das Offsetdruckverfahren

Das Offsetverfahren ist ein indirektes, denn es wird nicht unmittelbar von der Druckplatte auf das Papier gedruckt. Vielmehr wird die Druckfarbe von der auf einen Zylinder gespannten Druckplatte zunächst auf ein Gummituch übertragen und erst von diesem auf das Papier, welches in Größe der Druckbogen herangeführt wird.

 

d) Entstehung der Merkmale

Die Darstellung der einzelnen Arbeitsgänge erfolgte nur, um die für das Verständnis der Entstehung der Merkmale erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln.

Eine umfassende Erläuterung der Entstehung aller bei der Bautenserie auftretenden Merkmale ist wegen des großen Umfanges nicht möglich. Deshalb beschränkt sich diese Darstellung beispielhaft auf die Type III der Marken mit dem Motiv „Kölner Dom”.

Bei der Herstellung der Druckplatte ging man -wie schon geschildert – von einem 25er-Block aus. Bei der 25maligen Kopie des Einzelbildchens bekam fast jede dieser Kopien ein oder sogar mehrere unterschiedlich deutliche Merkmale. Man nennt diese Merkmale, weil sie im ersten Arbeitsgang entstanden sind, „Primärmerkmale” (PM). Da dieser Block 16 mal im Druckbogen vorkommt, finden wir auch jedes PM 16 mal auf diesem und zwar (von einigen sogenannten Sonderplatten abgesehen) bei allen als Type III vorkommenden Werten. Weil nun jede 25. Marke das gleiche PM hat, ist klar, dass diese Kategorie von Merkmalen sehr häufig ist und eigentlich keinen Bewertungszuschlag verdient.

40 Pfennig Type III
zum Beispiel PM 22

Bei der Montage der 16 25er-Blöcke zur Druckbogenfolie entstanden neue Merkmale, die „Sekundärmermale” (SM). Sie erscheinen nur einmal auf dem 400er-Bogen, allerdings -von der oben erwähnten Ausnahme abgesehen – wiederum bei allen Werten der Type III. Der Grund für diese Erscheinung ist, dass man die Wertzahlen noch nicht einkopiert hatte, um von dieser „Mutterfolie” Druckplatten für alle Werte anfertigen zu können. Das geschah auf folgende Weise:

40 Pfennig Type III
zum Beispiel SM 109

Wie schon dargestellt wurde die Bildfolie auf eine sensibilisierte Zinkplatte belichtet. Statt nun sofort die Druckplatte zu entwickeln und zu härten, wurde in einem zweiten Arbeitsgang eine weitere Folie, die nur die Wertzahlen und die Reihenwertzahlen aufwies, auf diese Platte belichtet. Auf diese Weise war es möglich, beliebig viele Druckplatten auch für verschiedene Wertstufen von einer Folie herzustellen. Von dieser Mutterfolie wurden folgende Druckplatten der Dom Type III hergestellt:

                  • 25 Pf: 3 Platten

                  • 40 Pf: 7 Platten

                  • 60 Pf: 5 Platten

                  • 90 Pf: 4 Platten

Auch bei diesen Arbeitsschritten wurden unbeabsichtigt Merkmale erzeugt, nämlich „Tertiärmerkmale” (TM). Diese befinden sich auf der Druckplatte und kommen nur auf einem Feld des 400er-Druckbogens eines Wertes und einer Druckplatte vor.

40 Pfennig Type III
zum Beispiel TM 145

Bei allen diesen Arbeitsschritten wurden auch Kontrollen durchgeführt. Wurden dabei Fehler im Bild entdeckt, versuchten Retuscheure, diese auszubessern. Auf der Folie vorgenommene Retuschen sind meist recht sauber und manchmal nur schwer zu entdecken. Gelegentlich wurde auch auf der Druckplatte retuschiert, wobei nur Farbflecken entfernt werden konnten. Diese sind wesentlich gröber. Erkannt werden können aber alle Retuschen, denn sie zeigen immer Abweichungen zum ursprünglichen Markenbild.

40 Pfennig Type III
zum Beispiel Retusche 145-G

Mehr zu dem Thema finden Sie in unseren Mitteilungsblättern oder Bauten-Spezialkatalog. Als Mitglied können Sie von den Erfahrungen unserer Mitglieder und der weiteren Forschung dieser Besonderheiten profitieren.

Inhaltsverzeichnis

1) Geschichte der Bautenserie

2) Typen der Marken
    – Farben
    – Wasserzeichen

    – Zähnungen

3) Untertypen der Marken
    – Markenbild
    – Wertzahl

4) Herstellungs-Besonderheiten
    – Anomalien des Drucks
    – Anomalien der Zähnung

5) Randbesonderheiten
    – Schutzstriche

    – Plattennummern
    – Bogenkontrollstempel
    – Handschriftliche HAN Nummer

    – Vertauschter Reihenwertzähler

6) Merkmale und Plattieren
    – Druckbogen und Schalterbogen
    – Herstellung der Druckplatten
    – Das Offsetdruckverfahren
    – Entstehung der Merkmale

7) Ganzsachen
    – Ganzsachen P1 – P8
    – mit privatem Zudruck
    – mit amtlichen Zudruck
    – mit Abweichungen
    – mit Plattenfehlern

    – Funklotteriekarten

8) Sammlungs Beispiele
    – Nach Typen mit Wasserzeichen und
       Zähnungsvarianten

    – Mit Ober.- und Unterradstücken
       mit und ohne Schutzstriche

    – Nach Plattennummern und
       Bogenkontrollstempeln

    – Von Plattierungen
    – Nach Portostufen und postalischen
       Dienstleistungen

    – Nach Stempelarten auf
       Bautenmarken und Briefen

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